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soziologie heute

soziologie heute hat geschrieben 115 Beiträge für SOZIOLOGIE BASISWISSEN

C. Wright Mills

„The first rule for understanding the human condition is that men live in second-hand worlds: they are aware of much more than they have personally experienced; and their own experience is always indirect. No man stands alone directly confronting a world of solid facts. No such world is available. The closest men come to it … Weiterlesen

Mephisto-Effekt

Evangelistenfeste kennen den Matthäus-Effekt mit seinem Bezug auf verschiedene Wirksamkeitsformen von Handlungen. Er gilt seit Jahrzehnten in der akademischen und Fachsoziologie als ein handlungsbezogenes Grundgesetz – ganz im Gegensatz zum nicht weniger wichtigen, aber bis heute weder fachlich noch akademisch bekannten und schon gar nicht anerkannten goethefaust´schen Mephisto-Effekt mit seiner gereimten positiv-paradoxer Handlungswirksamkeit: In der … Weiterlesen

Al-Capone-Effekt

Der Al-Capone-Effekt (auch Capone Effect) bezieht sich auf eine besondere Handlungsform vorwiegend staatlicher Machtorgane und Verfolgerbehörden: Seine Wirksamkeit beruht auf strategischen Handlungen gegen Personen, Netzwerke und Institutionen in weniger zentralen Handlungsfeldern. Das Handlungsmuster wurde Ende der 1920er Jahre von Verfolgerinstanzen der USA gegen den bekannten Berufsverbrecher Al Capone (1899-1947), dessen territoriales Zentrum Chigago (Ill.) und … Weiterlesen

Künstlersoziologie

In seiner 1982 erstveröffentlichten und bis heute  relevanten Grundlagenstudie Art Worlds zitiert Howard Becker im Abschnitt Art and Artist einleitend (sowie später erneut) aus Tom Stoppards Bühnenstück Travesties (1974) eine (fiktive) Auseinandersetzung mit dem (auch von Joseph Beuys vertretenen) dadaistischen Selbstverständnis, demzufolge jeder Mensch, der sich dafür hält, Künstler wäre, zur Besonderheit des Künstlers, der … Weiterlesen

Kunstsoziologie

Kunstsoziologie (traditioneller und präziser: Soziologie der Künste) ist eine spezielle oder Bindestrich-Soziologie. Im Mittelpunkt des theoretischen und empirischen Erkenntnisinteresses steht Kunst als besondere menschliche Tätigkeit und singuläres Gattungsphänomen in ihren sozialen Zusammenhängen. Kunst umfaßt die drei Hauptfelder Musik, Malerei (Bildende Kunst), Literatur (einschließlich Theater) [-> Literatursoziologie -> Musiksoziologie -> Soziologie der Bildenden Kunst]. Soziologisch geht … Weiterlesen

Rebecca-Effekt

Verallgemeinernd meint der Rebecca-Effekt Verklärung/en von Vergangenheit/en im allgemeinen und emotional positive Besetzung von Erinnerung/en an frühere Ereignisse, Erfahrungen und Erlebnisse im besonderen. Begrifflich folgt der Rebecca-Effekt Daphne du Mauriers Romanbestseller Rebecca (1938; Hitchkock-Verfilmung USA 1940). Dort geht es um eine junge Frau, die spontan von einem aristokratisch-autoritären Witwer und Eigentümer eines Schlosses in Cornwall … Weiterlesen

Jesaja-Effekt

Nach Predigten und Heilungserfolgen kehrte Jesus mit seinen Jüngern in seinen Heimatort Nazareth zurück: „Am Sabbat ging er in die Synagoge, um dort zu lehren. Die Leute, die ihm zuhörten, staunten über ihn und fragten: »Wie ist so etwas nur möglich? Woher hat er diese Weisheit? Wer gibt ihm die Macht, solche Wunder zu tun? … Weiterlesen

Bumerangeffekt

Der Bumerangeffekt (BE) erinnert sprachlich an das zum Wurfort zurückkommende Wurfgerät Bumerang. Entsprechend drückt der BE in handlungswissenschaftlichen Feldern und Bereichen wie Wirtschaft und Werbung, Sozialpsychologie und Politik unerwünschte und typischerweise auch so ungeplante wie unbedachte Wirksamkeiten von eingeleiteten Maßnahmen aus, etwa die unerwartete Rückkehr exportierten Kapital als Kapitalimport (und importierte Preissteigerung). Sozialpsychologisch geht es … Weiterlesen

soziologischer Doppelaspekt

Methodischer Hinweis zum soziologischen Doppelaspekt von Richard Albrecht Der Schlußabschnitt von Theodor Geigers ausgreifendem, 1955 posthum veröffentlichten, Beitrag zur „gesellschaftlichen Fluktuation“[1] stand unter der Überschrift „Der soziologische Doppelaspekt“ und präsentierte vor allem das bipolare Begriffspaar der Antonyme oder Gegenbegriffe Anaskopie und Kataskopie. Damit gemeint sind, für sich gesehen, antagonistische soziologische Sichten auf und Erfahrungen von … Weiterlesen

Ibn Khaldun (1332-1406)

Auszug aus: soziologie heute, Nr. 43/2015 (von Bernhard Hofer) Der 1332 in Tunis geborene Berber Ibn Khaldun– sein voller Name lautet Wali ad-Din Abd al-Rahman Ibn Muhammad Ibn Muhammad Ibn Abi Bakr Muhammad Ibn al-Hasan –  war Historiker und Politiker; für manche gilt er auch als Begründer der Soziologie. Seine Autobiographie liest sich wie ein … Weiterlesen

Marie Jahoda (1907-2001)

Auszug aus soziologie heute, Heft Nr. 5: Bis vor einigen Jahrzehnten war es nur wenigen Frauen vergönnt, einen Lehrstuhl im Bereich der Sozialwissenschaften zu besetzen. Marie Jahoda war eine der ersten und zugleich Pionierin der qualitativen Sozialforschung. Im Nachkriegs-Österreich lange vergessen, erinnert man sich heute wieder gerne und voller Stolz an die einstige Wiener „revolutionäre” … Weiterlesen

Identitätsillusion

Der österreichische Fachphilosoph und sozialwissenschaftliche Systemtheoretiker Peter Heintel (*1940) erinnerte an die grundlegende Subjekt-Objekt-Problematik der Philosophie und betonte die Nichtidentität von Subjekt und Objekt; wobei Theodor W. Adorno Identität als „Urform von Ideologie“ galt und Ernst Bloch in der Sprache das „Vermittlungsobjekt zwischen Subjekt und Objekt“ sah. Heintel kritisiert/e einen alternativlos erscheinenden Status Quo mit … Weiterlesen

Handlungsgrenzen

Menschliche Handlungen sind „weder bloß unmittelbar-äußerlich ´bedingt´ noch Resultat bloß ´subjektiver´ Bedeutungsstiftungen, sondern in den Lebensbedingungen ´begründet´.“ (Holzkamp 1983: 348) Selbstbewußt-interessensbezogenes Handeln wird in der entwickelten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren ungleichen und konkurrenzbestimmten Lebensbedingungen sowohl grundsätzlich erschwert als auch tendenziell verunmöglicht. Diese Normierungsprozesse und ihre Regeln machen „die Einzelnen gesellschaftsfähig“ (Arendt 1981: 41). An Konformität … Weiterlesen

Emigration

Von Emigration spricht man, wenn jemand sein eigenes Land verlässt, um sich in einem anderen Land dauerhaft niederzulassen. „Jeder Intellektuelle in der Emigration, ohne alle Ausnahme, ist beschädigt und tut gut daran, es selber zu erkennen, wenn er nicht hinter den dicht geschlossenen Türen seiner Selbstachtung grausam darüber belehrt werden will. Er lebt in einer … Weiterlesen

Schwindelkapitalismus

Im dritten Band seines Hauptwerks „Das Kapital“ zum „Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion“ geht es Marx auch um den Prozeß der Imperialisierung: um die empirische Transformation vom unternehmerisch bestimmtem sozio-produktiven Industriekapitalismus in sozio-parasitären Schwindelkapitalismus. Das Verhältnis von Kapital, Zinsen und „zinstragendem“ Kapital beschreibt Marx dialektisch als „Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst“ und … Weiterlesen

Theatralische Kulissenkultur

Als politische Wissenschaftlerin hatte sich Hannah Arendt (1906-1975) auch politikgeschichtlich im Zusammenhang mit ihrer Deutung des Status gesellschaftlicher Paria(h)s mit Prominenz als medienvermittelter Bekanntheit und „Berühmtheit“ beschäftigt. Sie sah die Begründung in dem, was sie operettenhafte „theatralische Kulissenkultur“ der „Kulturberufe“ im allgemeinen und des „Theaterwesens“ im besonderen nannte und was später das „Starwesen“ Hollywoods ausmachen … Weiterlesen

Thomas-Theorem

Situationsdefinitionen im Handeln von Menschen „If men define situations as real, they are real in their consequences.“ (Wenn Menschen Situationen als wirklich definieren, dann sind auch ihre Handlungsfolgen wirklich.)

Deprivation

In der sozialwissenschaftlichen Begriffssprache schließt Deprivation an das Bedeutungsfeld von Verlust, Mangel und Entbehrung an. Relative Deprivation meint seit den historisch-empirischen Studien von Runciman (1972) und Townsend (1979) zur Armut in Großbritannien nicht mehr traditionelle Formen von Armut und Verelendung, sondern zeitgenössische, Formen und Praxen ökonomisch begründeter kultureller Ausgrenzung und sozialer Ausschließung vom vorhandenen gesellschaftlichen … Weiterlesen

Eric Hobsbawm (1917-2012)

von Richard Albrecht Eric John Ernest Hobsbawm (1917-2012) war ein bedeutender marxistischer Historiker und Soziologe. Er starb heute, fünfundneunzigjährig, am 1. Oktober 2012 in London. Von Eric Hobwsbawm erschienen in den letzten Jahren drei deutschsprachige Bücher:Globalisierung, Demokratie und Terrorismus(Aus dem Englischen von Andreas Wirthenson. München: dtv, 2009, 176 p. [dtv premium]);Zwischenwelten und Übergangszeiten. Interventionen und … Weiterlesen

Immanuel Kant (1724-1804)

Geboren wurde Immanuel Kant am 22. April 1724 in Königsberg, und dort starb er auch am 12. Februar 1804. Nach dem Besuch des pietistischen Gymnasiums Fridericianum (1732 – 1740) studierte er 1740 – 1746 an der Königsberger Universität. Danach wirkte er einige Jahre in Ostpreußen als Hauslehrer, kehrte 1754 nach Königsberg zurück, promovierte und habilitierte … Weiterlesen

Ludwig Wittgenstein (1889-1951)

Geboren wurde Ludwig Wittgenstein 1889 in eine österreichische Familie voll von unternehmerischen Pioniergeists und künstlerischer Sensibilität. Nach Besuch der Linzer Realschule studierte er Maschinenbau in Berlin. Sein angewachsenes Interesse an mathematischen Fragestellungen brachten ihn dazu, bei Bertrand Russel in Cambridge weiterzustudieren. Das durch den Tod des Vaters 1913 ihm zugefallene Erbe spendete er zum guten … Weiterlesen

Platon (428/429-348/347 v. Chr.)

Geboren wurde der Philosoph 428 oder 427 v. Chr. als Sohn wohlhabender Eltern in Athen. Kindheit und Jugend fielen in die Zeit des Peloponnesischen Krieges (431 – 404 v. Chr.), der mit der Kapitulation seiner Heimatstadt endete. Die politischen Erschütterungen, der Niedergang der athenischen Demokratie bewirkten in ihm eine äußerst skeptische Haltung gegenüber eben jener … Weiterlesen

John Stuart Mill (1806-1873)

John Stuart Mill wurde am 20. Mai 1806 in London geboren und starb am 8. Mai 1873 in Avignon. Sein Vater war James Mill (seine Mutter Harriet Murrow), dessen philosophischer Radikalismus – er gilt neben Jeremy Bentham als Begründer des Utilitarismus – die Erziehung stark beeinflusste. Schon als hochbegabtes (vielleicht geniales) Kind studierte er die … Weiterlesen

David Hume (1711-1776)

David Hume wurde am 26. April 1711 als zweitältester Sohn eines verarmten schottischen Adeligen in Edinburgh geboren, und studierte nach Abschluss seiner Schulausbildung zunächst Rechtswissenschaft. Schon nach kurzer Zeit brach er jedoch dieses Studium ab, um sich der Philosophie und Literatur zuzuwenden. Auch eine kurzfristig ausgeübte kaufmännische Tätigkeit konnte ihn nicht befriedigen, und so ging … Weiterlesen

Harold Garfinkel (1917-2011)

Harold Garfinkel wurde am 29.10.1917 in Newark, New Jersey geboren und verstarb am 21.04.2011 in Pacific Palisades, Kalifornien 93-jährig. Garfinkel gilt als Begründer der Ethnomethodologie. Sein theoretisches Konzept zielt darauf ab, das in alltäglichen Situationen notwendige Hintergrundwissen seitens der Handelnden aufzuzeigen. Dieser auch für die qualitative Sozialforschung bedeutende amerikanische Soziologe studierte Volkswirtschaft an der University … Weiterlesen

Harriet Martineau (1802-1876)

Die Anfänge der Soziologie sind weiblich, auch wenn Lehrbücher eine androzentrische Theoriegeschichte der Soziologie entwerfen. Dies bedeutet, dass die Ursprünge der Soziologie auf eine längere Tradition zurückzuführen sind als bisher in der Soziologie selbst wahrgenommen und vermittelt wurde. Harriet Martineau (1802-1876, geb. in Norwich/England) ist die erste Soziologin (Rossi 1973), Gründungsmutter der Soziologie und Pionierin … Weiterlesen

René König (1906-1992)

Der deutsche Soziologe René König zählte neben Helmut Schelsky und Theodor W. Adorno zu den einflussreichsten Vertretern der deutschen Soziologie der Nachkriegszeit. Sein populärstes und für die damalige Zeit bahnbrechendes Buch war das 1958 erschienene Fischer Lexikon Soziologie, welches bis Ende der 1970er Jahre rund 410.000mal verkauft wurde. Darüber hinaus machte König die französischen Klassiker … Weiterlesen

Ralph Dahrendorf (1929-2009)

Der Sohn des sozial-demokratischen Reichstagsabgeordneten Gustav Dahrendorf wurde am 1. Mai 1929 in Hamburg geboren, studierte zunächst Philosophie und Altphilologie, bevor er ein sozialwissenschaftliches Postgraduiertenstudium an der London School of Economics (LSE) absolvierte, sich 1957 in Saarbrücken habilitierte und 1958 auf die Soziologieprofessur an der Akademie für Gemeinwirtschaft in Hamburg berufen wurde. Danach folgten Rufe … Weiterlesen

Karl W. Deutsch (1912-1992)

Als nichtversiegende Quelle theoretischer Kreativität hat Karl W. Deutsch eine unüberschaubare Zahl von Detailforschungen inspiriert. Oftmals als bloßer Kommunikationstheoretiker wahrgenommen beschritt Deutsch stets vieldimensionale Pfade. Sein Denken galt immer wieder der Vermittlung materieller und immaterieller, struktureller und prozessualer, harter und weicher Faktoren. 1941 erhielt er an der Harvard University den M.A.; 1942-1952 war er Instructor … Weiterlesen

Elisabeth Noelle Neumann (1916-2010)

 Foto: IfD Allensbach Elisabeth Noelle-Neumann war Gründerin des Instituts für Demoskopie Allensbach und emeritierte Universitätprofessorin für Publizistik an der Universität Mainz. Als Pionierin der Demoskopie in Deutschland ebnete sie den Weg für die heute allseits üblichen Repräsentativumfragen.  Ihr Buch über die Schweigespirale, welches in mehr als zwei Dutzend Sprachen übersetzt wurde, gilt bis heute als Klassiker. … Weiterlesen

Ulrich Beck (1944-2015)

Die Welt ist eine Weltrisikogesellschaft geworden. Beck prägte zahlreiche Begriffe wie z. B. Risikogesellschaft, Fahrstuhleffekt und soziologischer Kosmopolitismus, Individualisierung, Deinstitutionalisierung, Enttraditionalisierung, Pluralisierung, Zweite Moderne, Globalismus, Globalität, Brasilianisierung sowie Transnationalstaat. Er tritt für ein Grundeinkommen aufgrund einheitlicher wirtschaftlicher und sozialer Standards auf europäischer Ebene ein. siehe auch unter: Ausgewählte Videos

Anthony Giddens (geb. 1938)

In seiner Strukturationstheorie versucht er einen Mittelweg zwischen Positionen, die den Fokus auf soziale Systeme oder auf das Individuum richten, zu beschreiten. Nach Giddens stehen individuelle Handlungen und soziale Strukturen in einer engen Beziehung zueinander. Aus individuellen Verhaltensweisen können Rückschlüsse auf soziale Systeme gezogen werden. Mit seinem sogenannten „dritten Weg“ will Giddens die positiven Aspekte … Weiterlesen

Amitai Etzioni (geb. 1929)

Etzioni tritt für die gesellschaftliche Selbstregulierung von unten her (societal guidance) durch die Aktiven und ihr engagiertes selbstbestimmtes Handeln in der Gesellschaft ein. Sein Ziel ist eine gesteigerte Responsivität der Gesellschaft gegenüber ihren Mitgliedern und deren Bedürfnissen. Als größte Gefahr sieht er Entfremdung und Inauthentizität durch Industrialisierung, Bürokratisierung, Rationalität und Manipulation.   siehe auch unter: … Weiterlesen

Pierre Bourdieu (1930-2002)

Bourdieu entwickelt seine Theoriebegriffe unter Einbeziehung der Erfahrungen von Individuen. Die Leitbegriffe wie Habitus, sozialer Raum, soziales Feld, Kapital und Klasse entwickelt er weiter zu einer empirischen soziologischen Theorie, welche als „Theorie der Praxis“ bezeichnet wird. In „Die feinen Unterschiede“ prägt er den Begriff Distinktionsgewinn für die Durchsetzung eines neuen vorherrschenden Geschmacks und Lebensstils als … Weiterlesen

Erving Goffman (1922-1982)

Interaktion ist nach Goffman eine „wechselseitige Handlungsbeeinflussung, die Individuen aufeinander ausüben, wenn sie füreinander anwesend sind“. In Interaktionen versucht man, ein gewisses Bild von sich zu vermitteln – im Wissen, dass man beobachtet wird. Goffman schließt daraus, dass alle Menschen prinzipiell immer Theater spielen und sich eine Fassade schaffen.

Robert King Merton (1910-2003)

Nach Merton fehlt der Soziologie für die Entwicklung von Großtheorien (grand theories) die empirische Grundlage. Deshalb soll man sich auf Theorien mittlerer Reichweite konzentrieren. Von ihm stammen die Begriffe selbsterfüllende Prophezeiung (self-fulfilling prophecy), Focus Group, Rollenmodell, Matthäuseffekt. Bekannt ist Merton v.a. durch seine 1938 formulierte Anomietheorie.   siehe auch unter: Ausgewählte Videos

Talcott Parsons (1902-1979)

In den 50er Jahren entwickelt er das AGIL-Schema (Adaption, Goal Attainment, Integration, Latent Pattern Maintenance), welches systematisch die Grundfunktionen, die ein jedes System zur Selbsterhaltung erfüllen muss, beschreibt. Später überträgt Parsons das AGIL-Schema auch auf soziale Systeme. Zur Wahrnehmung der vier Funktionen bildet ein System spezifische Subsysteme aus, die die jeweilige Aufgabe erfüllen.

Theodor Wiesengrund Adorno (1903-1969)

Er kritisiert die zunehmende Naturalisierung gesellschaftlicher Verhältnisse in der Moderne. Die Menschen verlieren das Bewusstsein von der eigenen Urheberschaft ihrer Geschichte; sie begreifen die Gesellschaft nicht mehr als Produkt ihrer eigenen Praxis. Er tritt für eine emanzipatorische Soziologie ein – orientiert an einer vernünftigeren Gestaltung der Gesellschaft – und welche ihren eigenen gesellschaftlichen Standpunkt und … Weiterlesen

Paul Felix Lazarsfeld (1901-1976)

Er gilt als der Begründer der modernen empirischen Sozialforschung. In der gemeinsam mit Marie Jahoda und Hans Zeisel durchgeführten Studie über „Die Arbeitslosen von Marienthal“ wurden erstmals unterschiedliche Erhebungsmethoden kombiniert. In seiner Studie „The People‘s Choice stellte er den Einfluss interpersonaler Kommunikation auf das spätere Wahlverhalten dar.

Pitirim Sorokin (1889-1968)

In seinem Hauptwerk „Social and Cultural Dynamics“ versucht er die Prinzipien des sozialen Wandels – mittels vergleichender Analysen sozialer Ordnungen – zu rekonstruieren. Er stellt einen kontinuierlichen Zyklus der Grundsysteme im Prozess des gesamtgesellschaftlichen Wandels fest. Jede Kultur erreicht irgendwann ihren Höhepunkt und geht in ein neues System über. Er klassifiziert die Gesellschaften nach ihrer … Weiterlesen

Peter L. Berger (geb. 1929)

Peter L. Berger wurde am 17. 3. 1929 in Wien geboren und emigrierte kurz nah dem Ende des 2. Weltkrieges in die Vereinigten Staaten, wo er Soziologie und Philosophie studierte. Nach zahlreichen Professuren an bekannten amerikanischen Universitäten war er seit 1981 Professor für Soziologie und Theologie an der Boston University und seit 1985 Direktor des … Weiterlesen

Max Weber (1864-1920)

Für ihn ist die Soziologie eine „Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will“. Soziales Handeln ist nach Weber ein Handeln, welches sich dem Sinn nach auf das Verhalten anderer bezieht und daran in seinem Ablauf orientiert ist. Soziales Handeln ist wertrational, zweckrational, affektuell oder traditional … Weiterlesen

Werner Sombart (1863-1941)

Auf Sombart geht die Einteilung in die Entwicklungsphasen Früh-, Hoch- und Spätkapitalismus zurück. Der soziale Status wird nach ihm nicht mit der Geburt erworben: er kann gewonnen oder verloren werden. Dadurch kommt es zu Beschleunigung, Unruhe und Rationalisierung. Dieser Tätigkeitsdrang wird zum Leitmotiv. Die Allgemeine Soziologie ist für Sombart das Basiswissen für alle Kulturwissenschaften.

George Herbert Mead (1863-1931)

In seinem Werk „Geist, Identität und Gesellschaft“ geht Mead der Frage nach, wie die menschliche Identität zustande kommt und welchen Einfluss darauf die Gesellschaft, aber auch das Denken und der Geist des einzelnen Menschen, haben. Jeder Mensch steht in einem Dialog mit der Gemeinschaft, nimmt die Haltung der Gemeinschaft sich selbst gegenüber an oder kann … Weiterlesen

Ferdinand Tönnies (1855-1936)

Tönnies unterscheidet zwei Arten kollektiver Gruppierung: Gemeinschaft und Gesellschaft. Fühlt sich der Einzelne als Teil eines größeren sozialen Ganzen, so orientiert er sein Handeln an diesem übergeordnetem Zweck. Denken und handeln alle so, ist er einem Kollektiv als einer „Gemeinschaft“ zugehörig. Bedient sich der Einzelne der Anderen auf instrumentelle Weise, so hat er am Kollektiv … Weiterlesen

Vilfredo Pareto (1848-1923)

Pareto gilt als Begründer der Wohlfahrtsökonomie (Pareto-Verteilung, Pareto-Optimum). Als Soziologe widmet er sich insbesondere der Elitenforschung. Für ihn ist die Geschichte ein Friedhof der Aristokratien. Eine „Elite“ wird immer nur von einer „Reserve-Elite“, nie jedoch von einer Masse ersetzt; neue Eliten berufen sich oft auf die Masse oder behaupten, dieser anzugehören.

Emile Durkheim (1858-1917)

Er gilt als Begründer der empirischen soziologischen Wissenschaft. Durkheim geht davon aus, dass „soziale Fakten als Dinge (zu) behandeln“ sind, d. h. der soziale Tatbestand stellt für ihn die Grundlage aller soziologischen Analyse dar. In „Der Selbstmord“ entwickelt er den Begriff der Anomie – eine Situation, in der Verwirrung über soziale und/oder moralische Normen herrscht, … Weiterlesen

Georg Simmel (1858-1918)

Mit wachsender Entwicklung und Differenzierung einer Gesellschaft bildet sich die Individualität des Einzelnen stärker aus. Den Grad einer Gesellschaft kann man am Netz sozialer Wechselwirkungen und Verflechtungen ablesen. Simmel gilt als einer der Begründer der „formalen Soziologie“ und der Konfliktsoziologie. Soziologie benutzt lediglich das von anderen Wissenschaften bereitgestellte Material, um daraus neue Synthesen und einen … Weiterlesen

Ludwig Gumplowicz (1838-1909)

Geschichte folgt nach Gumplowicz „sozialen Naturgesetzen“. Jedes mächtigere ethnische oder soziale Element strebt danach, das in seinem Machtbereich befindliche schwächere Element seinen Zwecken dienstbar zu machen bzw. auszurotten. Gruppen sind durch sozialegoistische Kohäsion (Wir-Gefühl), Selbsterhaltungsstreben und das Bemühen um die Verbesserung der eigenen Lebenslage bestimmt, was immer wieder zu Konflikten führt.

Karl Marx (1818-1883)

Gemeinsam mit Friedrich Engels analysiert er die Verhältnisse im Zeitalter der industriellen Revolution und beschreibt die Ausbeutung der Arbeiterklasse durch Unternehmer und Feudalherren. In seinem Hauptwerk “Das Kapital”setzt er dem herrschenden System das Ziel einer “klassenlosen Gesellschaft” entgegen, die “die freie Entwicklung eines jeden” sowie “die freie Entwicklung aller” garantieren soll.