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Jesaja-Effekt

Nach Predigten und Heilungserfolgen kehrte Jesus mit seinen Jüngern in seinen Heimatort Nazareth zurück: „Am Sabbat ging er in die Synagoge, um dort zu lehren. Die Leute, die ihm zuhörten, staunten über ihn und fragten: »Wie ist so etwas nur möglich? Woher hat er diese Weisheit? Wer gibt ihm die Macht, solche Wunder zu tun? Er ist doch der Zimmermann, Marias Sohn. Wir kennen seine Brüder Jakobus, Joses, Judas und Simon. Und auch seine Schwestern leben alle unter uns.« Sie ärgerten sich über ihn. Da sagte Jesus: ´Nirgendwo gilt ein Prophet weniger als in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner eigenen Familie.´ So konnte er dort keine Wunder tun. Nur einigen Kranken legte er die Hände auf, und sie wurden gesund. Er wunderte sich über den Unglauben der Leute. Darum ging er in andere Dörfer und sprach dort überall zu den Menschen.“

Das ist der im Markus-Evangelium mitgeteilte Grundtenor des hier interessierenden herkömmlichen Jesaja-Effekt als besonderem Handlungstheorem mittlerer Reichweite: Gerade im eigenen Land, in der Heimat, bei Familie und Verwandten als Nahwelt gilt der Prophet (als Prediger und Heilkundiger) bestenfalls wenig, typischerweise nichts: nullus propheta in patria. Entsprechend lauten die bekannten Redewendungen: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land – a prophet has no honor in his own country – nadie es profeta su tierra – nul n’était prophète en son pays. Über sozio-regionale Herkunftsaspekte wird der Prophet als vertraut erinnert mit der Folge, daß er sowohl als Person nicht nur relativiert, infragegestellt und für unglaubwürdig gilt, sondern seine Äußerungen und Handlungen auch für unglaubhaft erachtet werden.

Linkhinweise zum speziellen Jesaja-Effekt:  https://www.biblegateway.com/passage/?search=Markus+6&version=HOF; http://sprichwort-plattform.org/sp/Der%20Prophet%20gilt%20nichts%20im%20eigenen%20Land; http://bibelkreis-muenchen.de/?p=448; zu einem weitergehenden Verallgemeierungsversuch s.  http://www.koha-verlag.de/fileadmin/user_upload/produkte/dateien/5107_leseprobe.pdf

Richard Albrecht 3.2017

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Über bjh

Das Fachmagazin soziologie heute erscheint seit Oktober 2008 zweimonatlich, widmet sich aktuellen soziologischen Themen und bereitet diese allgemein verständlich auf. Als dzt. größtes soziologisches Fachmagazin im deutschsprachigen Raum ist es dem Herausgeber ein Anliegen, den Kontakt mit Nachbardisziplinen zu pflegen und Vernetzungen zu fördern. Näheres unter: www.soziologie-heute.at

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