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Bumerangeffekt

Der Bumerangeffekt (BE) erinnert sprachlich an das zum Wurfort zurückkommende Wurfgerät Bumerang. Entsprechend drückt der BE in handlungswissenschaftlichen Feldern und Bereichen wie Wirtschaft und Werbung, Sozialpsychologie und Politik unerwünschte und typischerweise auch so ungeplante wie unbedachte Wirksamkeiten von eingeleiteten Maßnahmen aus, etwa die unerwartete Rückkehr exportierten Kapital als Kapitalimport (und importierte Preissteigerung). Sozialpsychologisch geht es um das Phänomen der Reaktanz: Was verkaufsfördernd wirken sollte, erreichte das Gegenteil wie etwa Boris („Bumbum“) Becker als Identifikationsfigur mit dem aol-Reklamespruch „Ich bin drin“. Wählerpolitisch gab es einen BE bei der letzten Bürgermeisterwahl in Wels, der mit etwa 60.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Oberösterreichs: Eine dort aktive Antifa, die dessen Wahl verhindern wollte, trug mit dazu bei, daß der Kandidat der FPÖ, der im ersten Wahlgang schon knapp 48 Prozent der Stimmen erhielt, bei der Stichwahl am 11. 10. 2015 mit 63 Prozent gegenüber dem SPÖ-Kandidaten weit vorn lag.

Alltagssprachlich veranschaulicht den BE die Wendung War wohl´n Schuß inn´ Ofen. Im in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre auch in (West) Europa verbreiteten Roten Buch (Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung) bemüht der Autor als Ausdruck seiner antiimperialistischen Sicht ein chinesisches Sprichwort: Der Stein, den sie erhoben haben, fällt auf ihre eigenen Füße.

Wissenschaftssystematisch beruht der BE auf Robert K. Mertons Hinweis zu unerwarteten Folgen sozialen Handelns (The Unanticipated Consequences of Purposive Social Action, 1936) und auf der Theorie der kognitiven Dissonanz von Leon Festinger (A Theory of Cognitive Dissonance, 1957; Dt. Ausgabe, Hg. Martin Irle, ²2012). Als Sonderfall der BE-These gilt der vornehmlich in der entwickelten Medienwelt wirkende Streisandeffekt (SE).

 

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/82547/bumerangeffekt-v8.html

https://en.wikipedia.org/wiki/Boomerang_effect_(psychology)

https://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt

 

Richard Albrecht

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Über bjh

Das Fachmagazin soziologie heute erscheint seit Oktober 2008 zweimonatlich, widmet sich aktuellen soziologischen Themen und bereitet diese allgemein verständlich auf. Als dzt. größtes soziologisches Fachmagazin im deutschsprachigen Raum ist es dem Herausgeber ein Anliegen, den Kontakt mit Nachbardisziplinen zu pflegen und Vernetzungen zu fördern. Näheres unter: www.soziologie-heute.at

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