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Theatralische Kulissenkultur

Als politische Wissenschaftlerin hatte sich Hannah Arendt (1906-1975) auch politikgeschichtlich im Zusammenhang mit ihrer Deutung des Status gesellschaftlicher Paria(h)s mit Prominenz als medienvermittelter Bekanntheit und „Berühmtheit“ beschäftigt. Sie sah die Begründung in dem, was sie operettenhafte „theatralische Kulissenkultur“ der „Kulturberufe“ im allgemeinen und des „Theaterwesens“ im besonderen nannte und was später das „Starwesen“ Hollywoods ausmachen sollte, schon „vor seiner Verbreitung durch den Film“ in der Vorkriegsmetropole Wien und der „Kulissenkultur in Österreich […] vollständig vorgebildet“.

Und Hannah Arendt kritisierte die sich immer dann, wenn „das Theater als Realität“ gilt, ergebende „Verkehrung und Verwechslung von Sein und Schein“: der mimischtheatrale „Maßstab der Größe ist ausschließlich der gegenwärtige Erfolg“. Jeder aufs Jetzt und Hier verkürzte „gegenwärtige Erfolg“ im „Kulturbetrieb“ verwechselt – so Arendt – auch „die Bedeutung von Autoren mit der Auflageziffer ihrer Werke“. Was sich als „Elite der Auserwählten“, „Kaste berühmter Männer“ und „Gesellschaft der Berühmten“ selbst verstehe und im „Kulturbetrieb“ dargestellt werde – sind nach Arendt „gesellschaftlich gesehen […] Parias“:

„Der Ruhm, der Erfolg, war ein Mittel gesellschaftlich heimatloser Menschen, sich eine Heimat, sich eine Umgebung zu schaffen.“

Insbesondere jüdische Schauspieler, Künstler, Intellektuelle, Autoren und Publizisten bedurften als „gesellschaftliche Paria“ des „schützenden Kleides des Ruhmes“ als „eine Art Heimatrecht in der internationalen Elite der Erfolgreichen“. Auch diese Zugehörigkeit erwies sich jedoch als Illusion. Die „internationale Gesellschaft der Berühmten“ wurde „das erste Mal im Jahr 1914 zersprengt, bevor sie 1933 endgültig unterging.“(1)

Richard Albrecht

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Über bjh

Das Fachmagazin soziologie heute erscheint seit Oktober 2008 zweimonatlich, widmet sich aktuellen soziologischen Themen und bereitet diese allgemein verständlich auf. Als dzt. größtes soziologisches Fachmagazin im deutschsprachigen Raum ist es dem Herausgeber ein Anliegen, den Kontakt mit Nachbardisziplinen zu pflegen und Vernetzungen zu fördern. Näheres unter: www.soziologie-heute.at

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